Hotel

DIE GESCHICHTE DES TURMDIEB​

Die Geschichte des Turmdiebs finden Sie im gesamten Hotel Turmdieb verstreut. Egal ob in den Fluren oder auf den Zimmern. Überall ist ein Teil der Geschichte zu finden und nachzulesen.

Vermutung

Pausbäckig, soll er aussehen, weil irgendwo muss er ja seine Sachen unterbringen. Von dunklem Teint soll er sein, weil ja ehedem die Römer da gewesen sein sollen. Eine Nase mit feinen Flügeln soll mit zum Gesicht gehören, das eigentlich die braunen Augen bestimmen. Nichts Genaues weiß man nicht, weil ihn hat noch keiner gesehen.

Die Rede ist von TD, ausgeschrieben Turm Dieb, Vorname Turm, Nachname Dieb, Hemdengröße 44, geboren nahe der Stadt, in der man gerne Gedichte rezitierte mit einem hintersinnigen Ton: Oh süßes Nichtstun und… Oder auf dem Fahrrad, seinem Falter, denn früher hießen die Räder noch Winora, Stürmer und eben Falter. Und so pfiff er“… sitting on the bike of the day, wasting my time all…“

Aber da keiner ihn gesehen hatte, wurde immer nur das erlebt, was er getan. Sich heimlich einschleichen oder etwas verstohlen hineinbringen, darauf verstand er sich, der TD. Er erlebte die frühere Wortbedeutung von Dieben, schließlich war er Bewohner des mittelalterlichen DIEBENTUMS. Mit Dieberei hatte er nichts an der Backe. Mit einer seiner unvergleichlich gepfiffenen Melodien, die des „Es ist immer nur geklaut“, führte er den voreingenommen Hörer in die Irre, und darüber freute er sich diebisch.

Dieben, er war begnadet darin, in der kunstfertigen  Ausübung einer solchen Tätigkeit. Übrigens, eine seiner Hände hatte einen Finger zu viel, nicht auf Anhieb zu  erkennen. Ein wichtiges Arbeitsmittel  dennoch. Sein sechster Finger verschaffte ihm manch einen Vorteil. Nur die …., die alle Stunde vorbei ziehen, sind sechs an der Zahl. Da braucht er schon einen Finger mehr als herkömmlich eine Hand aufzuweisen hat, um mitzählen zu können. Die seine war kindskopfgroß,  Finger gut  gegliedert, kräftig – da fiel der sechste, den er von Geburt aus an der linken Hand hatte, garnicht auf. Der war einer der wieselflinkesten und wichtig  in seinem Gewerbe des Diebens.

Flur

Fragen, die früher die Welt bewegten, wie  „Wer fasst den Wind in seine Hände`“, Wer bindet das Wasser in sein Kleid“, hat er profan gelöst. Eine Scheurebe im Glas ließ ihn denken an die früheren Worte, die sich da in dem  Haus hinter den Bildern im Flur versteckt hatten, die hatten das einfach auf die Rückseite geschrieben. Dort fand man auch Worte wie: „ Deine zwei Brüste sind wie zwei junge Rehzwillinge, die unter den Rosen  weiden“. Ja, und als er dann der Sache auf den Grund ging, musste er feststellen: Diese alten, hohen Lieder sind ein wahrer Born, ein Brunnen zu Thema Wein und Liebe und ….

„Was du auch machst, mach es nicht selbst“ – Das Lied von „Tocatronic“ pfeifend, hüpfte er die Treppen hinunter und sang weiter, „wer zu viel macht, wird schließlich dumm, außer …

Er hatte seinen app  ( eigentlich den qr code) An die Wand gepinnt und jeder, der da vorbei kam, wurde eingeäppt. Ob der sich veräppelt  fühlte, upps.

Einschlafen

Da „ließ der Mond einen langen Strahl durch Schlüsselloch fallen und darauf fuhr der kleine Häwelmann zum Hause hinaus“ – wenn DT dieses Märchen von Theodor Storm vortrug, waren alle kleinen Ohren gespitzt, die Münder offen. Ob der Märchenzähler, der im TurmDieb seine Arbeit machte, wirklich der TD War oder nur der gute Opa Michael? Wer Weiß?

Wecken

„Baby, wach auf, ich zähl bis zehn,…“ – diesen „Seed-song“ singend, sprang TD über die weichgeschwungenen Treppen die Stockwerke hinab. Aufweckmelodie, die einen im “TurmDieb“ in den Tag schickt.

Was hatte der TD eigentlich zu schaffen im gleichnamigen Hotel? Er soll zuständig sein fürs Weckmehlstreuen, also, er flirte durch die Zimmer und streute den Schlafenden Weckmehl auf die Augen, weckte sie mit Mehl.Es gibt eine nicht zu unterdrückende Gegenmeinung, die da sagt, Weckmehl habe mit Weckli (Brötchen) zu tun, bedeute also Semmelbrösel.

Reiseberichte

Reisebericht – auch diese verfasste TD, weil er, wie wir wissen, mit seinem Falter unterwegs ist. Und da hat er zu erzählen von der Fahne, den Seinen und von den mystischen Orten des fränkischen Weins im:„terroir f“ Weinklima Sonne, Licht und   Feuer an der Mainschleife Wein ergreift.“ „Also, bitte! Kann sei, ich täusch´ mich, aber „fffffffff“ macht´s doch immer, wenn die Luft entweicht. Aber ich will nichts g´sagt ham:  So stehts´ oben an der Vogels-Burg, nahe dem Aschdorfer Lump.“

Liebstöckl – da schnalzte er mit der Zunge. Er liebte dieses Gewürz, ob in der Suppe oder in der Phantasie, genährt vom Wissen über die mittelalterlichen Bauernmädchen, die solch ein Kräutlein unter dem Kleid trugen, um ihren Liebsten zu becircen, ob das in Ramsthal, Mädelhofen, Wasserlosen war, weiß man nicht mehr so genau, sicherlich nicht in Madenhausen.

Rebsorten

Der Silvaner  erinnert ihn immer an die Sylvia, die er im Wald traf. Oder verwechselt er jetzt das mit Silvanus, dem Gott des Waldes….

Diebische Tränen, heimlich vergossen, die  kamen DT, wenn die Domina satt blaurot Leuchtete hoch überm vernebelten Fuß. Deep Purple at his best.

Fränkische Sprache

Renate – wenn ihm dieses Wort über die Lippen kam, war das Musik. Das r  rollte an, das e verdunkelte sich und bevor das n das a ins helle Licht hob und mit sattem t und dem jenen Augenaufschlag den Takt vorgab. Den Kopf hierbei leicht gesenkt, je nach Betonung und Absicht erweiterten sich die Nasenflügel und lobten Renate, riefen Renate oder seufzten ob der Renate.  Das war die hohe Fränkische Kunst, Vokale zu dehnen und zu verschlucken, sich keinen Deut um Konsonanten zu kümmern, einfach nur Sprache zu formen, damit es sich fügte.

Ein Freund hatten den Inhaber des TD wissen lassen, schreib für die Fremden Pinot grigio und verlange von jedem Franken der das Wort korrekt ausspricht eine Lokalrunde. Schließlich heißt es hier bino gridscho, einsame Spitze was die Betonung der letzten Silbe betrifft, wie weiland klassisch bei Mama.

Pumps, da stellt der Franke erstmals die Ohren, die Kollektoren, denn die sind in den meisten Fällen nicht zu klein ausgefallen. Pumps, das sind auch auch Schuhe. Um die kümmerte sich DT liebend gern.

Hotel

Das Hotel, das man freundlicherweise nach den Nachbarn aus dem Diebenturm nannte, das hatte im Erdgeschoß, im Baderr (Parterre) Wege und Blicke zu bieten und Sauerteigbrötli zur Scheurebe – hei, welch eine Bleibe um den Tag zu starten, zu mitten oder zu benachmittagen. Keine Frage, TD ging hier ein und aus und blieb und führte die Augen aus. Dort oben auf der Empore, wenn er einen der runden Tische ergattern konnte, sah er das Auf und Ab menschlicher formenvielfalten, die „Hellen Gesichter“. Also die, ihre Smartphones Tag und Nacht streicheln mussten und gleichwohl  schäkerten, lachten, die hatten an dem langen Stamm anscheinend besonders guten Empfang. Und es gab noch eine Sehlinie zwischen die Hohen  Stuhllehnen hindurch, wenn da jemand saß – da ging einem das Herz auf.

Gastraum

Welche eine Formenwelt tat  sich da auf: Er saß neben der Rezeption und sein Blick fiel notgedrungen auf diesen Vorsprung, kräftig, wohlgeformt, wie weiland der Volkacher Sattel, dieser harte (Kalkt)Sporn im sanften Keuper, der weiland den Main  umbog. Sie richtete sich auf und  …  da schweigt des Sängers Höflichkeit – oder anders ausgedrückt:  Die Kunst ist es, den Kopf zu erreichen und nicht in die Hose.Er kehrte gerne ein im TurmDieb – Hotel wie Gastraum  waren  nach ihm benannt. Dort gab er sich inkognito dem Finger Food hin. Er, der Mann mit der besonderen Hand. Manche behaupten, er hat a glückliches Händla. Dieben, das war für ihn greifen, in die Hand nehmen, für den Kopf ertasten. Im Frühstücksraum, der Gastraum und Treffpunkt war, saß er gerne am großen runden Tisch, am beginnenden Tag, so  zwischen 8 und 10 Uhr. Die wunderbare Akustik brachte es mit sich, dass er ungewollt immer zeuge der Gespräche unter den Gästen wurde. Und wenn dann einer sich umständlich bückte, um ein rotes Teil nach oben zu befördern, wusste er, sein Plan  war aufgegangen, er hatte wieder mal für Gesprächsstoff gesorgt. Er hatte mal wieder rein willkürlich diese roten fünffingrigen Waschlappen über die Zimmer verteilt, um etwas zu zündeln. Der, der es als Souvenir gesehen hatte, im Preis mit inbegriffen, war natürlich interessiert daran, dass sein gegenüber nicht schnurstracks zur Renate an der Rezeption  ging und sich beschwerte.

TD liebte es, Verbindungen herzustellen, wo es scheinbar keine gab. ER nahm weg und fügte hinzu, er war ein Wirtschafts-Kind. In Franken geht man in die Wirtschaft, scheinbar der Wirtschaft aus dem Weg, er lebt am runden Tisch das Wunder der Sitzung der zwölf. Also die Kreise um einen Tisch lassen sich ziehen bis der Körper von Renate droht dazwischen hängen zu bleiben. 

Zimmer

Und noch so en Knaller: Ausgerechnet im deep purple Zimmer lief im Fernseher als erstes immer ein Video über die BMW – Isetta. Wenn dann noch der Rühmann sein „Jawohl Meine Herren“ trällerte, war das Kraut fett. Ach ja, warum das deep purble Zimmer so begehrt ist, versteht TD nicht. Schließlich ist deren  Hells-bells nichts gegen den von AC/DC. Wenn er im ersten Stock unterwegs war, elegant der sechsten Diele auswich, weil die immer so gottserbärmlich aufstöhnte, hielt er gerne inne vor dem Landgrafenzimmer, klopfte und wenn keiner antwortete war er drin und staunte jedes  Mal aufs  Neue über die Bettstadt.

So groß, dass eine Stadt Platz fand in diesem  Bett. Da legte er sich zurück und träumte vom Fahrradfahren, mit Mechthild auf der Stange sitzend und dem Gelächter von Birgit im Ohr, die bei Magda auf dem Gepäckträger saß, als sie hinab sausten von Gaibach nach Fahr.

Wenn er das weit geschwungene Bettgestell sah, kamen ihn die schwunghaften Lippen in den Sinn, die der Susanne oder er kam ins Grübeln, erinnerte sich ans Grüberle, an die Grübchen. Fragte sich „Kam Betti von Bett oder  Bettina?“. Und plötzlich war es aus, weil es nach Grieben roch, da hatten sie wieder dieses Greif-mal-hin-Buffet aufgebaut – da musste er runter, hatt die Bettstadt was mit Pettstadt zu tun? Sei´s drum.

Trottoir & Pissoir

„Versuch über den Stillen Ort“ – der, der seine Hand im Namen trug, Peter Handke hat darüber einen Versuch geschrieben – ob das die Lektüre für Pissoir, Trottoir und  … ist, wurde eingehend diskutiert. 

Waschlappen

Er liebte es Geheimnisse zu stehlen und so hatte er die Auseinandersetzung über den Einsatz der Handschuhe mitbekommen. Sie wanderten letztlich in die Vorratskammer und lagen dort feinsäuberlich gestapelt. Zuweilen holte er sie und verteilte sie auf die Zimmer.

Wenn man irgendwo in der Republik bei Freunden zu Gast war und auf einem gewissen Ort, sagen wir mal in Bad Neuenahr einen roten fünfgliedrigen Waschlappen sah, wusste man, die waren auf ihrer Fahrradtour durchs Fränkische in diesem Städtchen mit dem TurmDieb ebendort untergekommen. Uns interessieren jetzt nicht die Wege, wie sie zu selbigem gelangt waren, wir klären auf, wases mit diesen teilen auf sich hat.

Nun zuerst muss man wissen in solchen „Städten“ wie Volkach war die Grundstücks-begrenzbebauung normal. fortschrittlicher war es schon, einen Abstand zum Nachbarn von sagen wir mal von 50 cm aufwärts zu halten. Diesen Abstand, der zur Straße nicht erkennbar war nannte man den Winkel.  Der Winkel war der Ort kindlicher Phantasien: Wer lebt dort, wie lebt er? Jetzt kommen wir der Sache näher. Denn unser TD interessierte sich auch für den Winkel. Es war die ideale  Einflugschneise, um in jenen Raum zu gelangen wo all die Dinge fein säuberlich geordnet lagen, die man während der Planungsphase für das Hotel-Gasthaus TD gefertigt und dann noch nicht gebraucht hatte. Hier lag ein erklecklicher Stapel Waschhandschuhe, die der TD aus Lust und  Freude nahm und auf  die Zimmer verteilte. Er freute sich dann schon auf den nächsten  Morgen, wenn sich die Gäste beim Frühstück sich unterhielten und auf dieses  Utensil zu Sprechen kamen.

BB + TD

BB und TD – der Buchstaben-Kombinationen bietet das Alphabet einige, aber diese Staub, Schweiß und Silvaner gesättigte Kombination ist nicht ohne. BB da sah TD rot, stier rot. Magenta konnte es schon deswegen nicht sein, weil es Bestandteil von jenen für einen Franken unsäglichen Wort beige ist. Wer kommt schon darauf, dass du beeesch zu sagen hast, genau so wenig wie auf die Zusammensetzung der Farbe selbst aus Yellow und Magenta. Genaueres weiß jedes Nachschlagewerk, nur nicht…

Und Betti, die hat nicht nur Betten konstruiert, sondern ist zu ihrer althochdeutschen Wurzel zurückgekehrt  – aus „betti“ soll sich das besagte Bett entwickelt haben. Klar, dass die Franken Bettstadt sagen.

Aber spätestens beim Song „Silvaner in the jar“ gingen sie wieder an die Arbeit. Wobei hier das Eis auch sehr dünn sein konnte, letztlich sollte das Teil auch eine musikalische Seite bekommen: Nur die Musik a la Nordrach, weil das Haus im Norden von Volkach lag??? Wer konnte nur so denken? „Still got the Blues“, packs Träuble und geh.

Wir schreiben das Jahr 2013, der Monat April lässt auf eine wärmere Jahreszeit hoffen. Staub, Speis und Silvaner war einen Monat vorher noch angesagt im breiten Bauch des ehemaligen Breitenbach nahe dem Diebenturm.

Varia

Aber auch die Dinge, die da waren wie Schokolade.